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Interview zum Red Bull X-Alps

Organisator Ulrich Grill führt euch hinter die Kulissen

Zum neunten Mal fighten im Jahr 2019 die Besten der Besten aus der Hike & Fly-Szene beim absolut einzigartigen Red Bull X-Alps Adventure Race. Alle Hände voll zu tun hat in der Vorbereitung Organisator Ulrich Grill. Selbst seinerzeit waghalsig als Drachenflieger in den Lüften unterwegs, lässt er euch hinter die Kulissen der spannenden Competition blicken. Im Gespräch verrät er, was "Pokern" beim X-Alps bedeutet, warum der Bewerb eine irre mentale Challenge ist und wieso Wagrain-Kleinarl ein klasse Turnpoint in dem Spektakel sein wird.

"Hike & Fly" ist mittlerweile ein geflügelter Begriff. Wie kam es 2002 zu der Idee, die beiden Sportarten zu verbinden und diesen außergewöhnlichen Event ins Lebens zu rufen?

Beim Red Bull X-Alps kommen ja tatsächlich mehrere Sportarten zum Einsatz: Trailrunning, Hiking, Mountaineering und Paragleiten. Insgesamt ergibt das einen "Adventure Race". Die Challenge ist, dass die komplette Strecke zu Fuß und fliegend überwunden werden muss. Das heißt, wir schaffen einen sehr "ursprünglichen Charakter" – keine Unterstützung, nichts Motorisiertes.

Man geht, fliegt los, schaut, wie weit einen die Thermik trägt, packt seinen Schirm zusammen, geht wieder. Das ist ein völlig neues Bergerlebnis!

Die Idee dazu war meinem vor zweieinhalb Jahren tragischerweise verstorbenen Partner Hannes Arch gekommen. Er war ein Spitzenbergsteiger, Kunstflug-Pilot und mit mir gemeinsam im Red Bull Acro Team – meine Sache war der Drachen-Kunstflug, seine der Paragleit-Kunstflug. Aus diesem "fliegenden Zusammentreffen" bei Red Bull heraus ist der X-Alps geboren.

Ulrich Grill presents Red Bull X-Alps | © zooom/Honza Zak© zooom/Honza Zak

Was macht den Event aus und was motiviert Sie als Organisator?

Das Spannende ist, dass man zwei Komponenten - Ausdauer und Strategie- sehr stark vereinen können muss. Beim Hiken, Trailrunning und Bergsteigen muss man zwar auch Köpfchen beweisen, sehr viel macht man aber über den physisch relevanten Faktor Ausdauer. Beim Paragleiten ist das Um und Auf aber die Strategie: Es geht vergleichsweise gar nicht so sehr um die körperlichen Fertigkeiten, sondern mehr um Know-How und Erfahrung. Die Einschätzung des Wetters und der thermischen Bedingungen spielt etwa eine große Rolle. Es kann passieren, dass man zu früh startet, keine Thermik findet und gleich wieder im Tal landet. Andere warten geduldig und fliegen plötzlich 200 Kilometer weit.

Psychologisch ist es irre schwer auszuhalten, dass meine Gegner schon weiter sind, und ich nur unter Umständen richtig pokere und aufholen kann. Das ist eine einzigartige Herausforderung bei diesem Bewerb!

Paragleiter von Red Bull X-Alps | © zoom.atFelixWoelk© zoom.atFelixWoelk

Dieses Rennen muss eine speziell hohe Konzentrationsleistung erfordern?

Ja, total. Man muss sich vorstellen, dass die Athleten zum Teil sechs bis sieben Stunden durchgehend in der Luft sind, ständig analysieren, der Kopf permanent rattert. Das laugt mental komplett aus. Dazu kommt die körperliche Anstrengung auf permanent niedrigem Ausdauerlevel. Das macht auch fehleranfällig.

Wetter, Thermik, Flug-Know-How, die Kenntnis der Bergwelt – Wo finde ich die beste Thermik, wo bewege ich mich am schnellsten von A nach B? Glück braucht man auch. Und das Ganze in Kombi mit Ausdauer und allerhöchster Konzentrationsfähigkeit.  

Warum wurde gerade Salzburg als Startpunkt und Monaco als Ziel festgelegt?

Salzburg bietet die Option, im Startkern loszurennen, aber gleichzeitig den ersten Turnpoint, den Gaisberg, im Blick zu haben. Das ist österreichweit einzigartig. Zudem ist die Stadt ein richtig schöner Fleck und nicht zuletzt weltbekannt – das macht sie zu einem tollen Ausgangspunkt. Auch Monaco ist ein Name von Weltformat, das hilft auch bei der Vermarktung. Abgesehen davon ist Monaco der logische Endpunkt der Alpen, danach ist nur noch das Meer. Nur in Monaco gibt es einen allerletzten Startpunkt, um – von circa 700 Metern Seehöhe – zum Meer zu fliegen.

Was sind die größten Herausforderungen eines internationalen Rennens, bei dem mehrere Länder beteiligt sind?

Es gibt zwei mega Challenges: Erstens die Länge des Events – 14 Tage sind sehr aufwendig zu organisieren und zu begleiten. Zweitens zieht sich das Starterfeld am Ende des Rennens über 500 oder 600 km. Das muss man logistisch erst mal bewerkstelligen.

Wie darf man sich den Charakter dieser Veranstaltung als potenzieller Zuseher vorstellen?

Es gibt die sogenannten Turnpoints. Abgesehen von diesen Punkten gibt es ja keine vorgegebene Strecke. Aber an denen kann man die Athleten abpassen. Und dann ist da noch das geniale Online-Live-Tracking, mit dem man immer weiß, wo sie sind. Viele Leute gehen einfach online, merken, dass jemand in 5 Minuten beim eigenen Haus vorbeikommen wird und schauen schnell mal vor die Tür. Dadurch haben sich schon unglaublich lustige, spannende und auch rührende Situationen ergeben.

Plötzlich stehen irgendwo im Nirgendwo Menschen da, die anfeuern. Diese Kombination aus online und "in echt" dabei sein, ist eine weitere Einzigartigkeit des Red Bull X-Alps!

Gute Stimmung bei den Athleten von Red Bull X-Alps | © harald-tauderer-red-bull© harald-tauderer-red-bull

Das Rennen führt auch durch Wagrain-Kleinarl im Pongau – welche Highlights dürfen ZuseherInnen hier erwarten?

Es findet die ganze Vorbereitungswoche in Wagrain-Kleinarl statt. Wer dort ist, wird das bunte Treiben mitbekommen: Athleten bekommen ihre Briefings und Medical Checks. Es wird Interviews mit Athleten geben, fotografiert und gefilmt. Außerdem wird das Vorrennen, der sogenannte Prolog, in und rund um Wagrain-Kleinarl ausgetragen. Der X-Alps startet am Sonntag am Gaisberg, wo 3.000 Leute erwartet werden – noch am selben Tag kommen die Teilnehmer in Wagrain-Kleinarl vorbei. Wenn wettertechnisch alles gut geht, sind sie am Nachmittag dort, wenn sie laufen, kann es abends werden. Bereits am Starttag gibt es also drei spannende Destinationen: Mozartplatz, Gaisberg, Wagrain-Kleinarl. Einige Fans werden sicher wieder mit pilgern – per Auto, versteht sich!

Turnpoint Wagrain-Kleinarl
  • 13. Juni 2019: PROLOG in Wagrain-Kleinarl: kleines Rennen rund um Berge des SalzburgerLands: Kampf um Startplätze und "Joker" wie den Nightpass.
     
  • 16. Juni 2019: RENNSTART in Salzburg &
  • 2. Turnpoint in Wagrain-Kleinarl
  • 2021 und 2023 kommt Red Bull X-Alps wieder nach Wagrain-Kleinarl

Zum Rahmenprogramm beim Red Bull X-Alps: Welche Empfehlungen haben Sie für ein interessiertes Publikum?

Das Route Anouncement war am 12. März. Entsprechend kennt man als interessierter Beobachter die Strecke und kann die Athleten einfach an den Turnpoints erwischen. Alles andere spielt sich in den hintersten Winkeln der Alpen ab. Was aber eben auch den speziellen Charme des Wettbewerbs ausmacht! Die Athleten definieren ihr eigenes Rennen.

Kernthema ist das LIVE-TRACKING! Es holt den Event aus den hintersten Alpen-Winkeln auf den Schreibtisch. Die Aufnahmen kommen von 16 Kameraleuten und 4 Fotografen!


Die sind ständig mit den Athleten unterwegs und werden alles ins Livetracking einspielen. Zusätzlich greifen wir Infos aus den Social Media Kanälen der Athleten ab und bringen diese kuratiert auf der Website.

Was macht den Hike & Fly Trend für Hobbysportler attraktiv?

Es ist ein bisschen wie die Sommervariante des Skitouren-Trends: Man will auf den Berg rauf und auf schnelle, funny Weise wieder runter.

Hike & Fly ist natürlich komplexer, materiallastiger, benötigt mehr Ausbildung als das Skitourengehen. Aber der Gedanke dahinter, nämlich auf neue Art in die Berge zu gehen, ist vergleichbar: Nicht einfach nur rauf, um dann dort zu sein. Sondern rauf, um dann zu bouldern, zu klettern, auf den Skiern runter zu fahren oder eben zu fliegen. Sozusagen "hike, to do something". Jede Aktivität soll für sich selbst eine große Bereicherung darstellen.

Wie beeinflusst die Equipment-Entwicklung den Event?

Das ist genau umgekehrt! Der Red Bull X-Alps hat maßgeblich die Equipment-Entwicklung geprägt. A coole G'schicht!

Das ist für uns natürlich ein Ritterschlag, dass wir tonangebend sind in Bezug darauf, was die Konsumenten wollen und brauchen. Gewicht, Balance, Rettungsequipment sind da Thema. Auch, dass das Thema Hike & Fly in unseren Breiten so groß geworden ist, ist dem Red Bull X-Alps zu verdanken. Paragleiten hat sich sehr stark gewandelt – ohne eine Ausrichtung auf "X-Alps Style Equipment" geht's heute gar nicht mehr. Das haben auch die Hersteller verstanden.

Wie hat sich dadurch seit der ersten Austragung 2003 auch der Event gewandelt?

2003 waren die Athleten noch mit ganz normalen Rucksäcken unterwegs, die haben 20 Kilogramm mitgeschleppt, jetzt sind es deutlich unter 10. Die Art und Weise, wie sie strategisch planen, hat sich ebenfalls komplett geändert. Gewicht und Performance haben massive Schritte vorwärts gemacht. 

Start zum Paragleiten von einem Red Bull X-Alps Athleten | © Sebastian-Marko-red-bull© Sebastian-Marko-red-bull

Können Sie sich an einen besonders bewegenden Moment als Veranstalter erinnern?

Herausragend ist immer der Zieleinlauf der Athleten in Monaco. Man sieht in ihren Gesichtern eine riesige Erleichterung, wenn sie nach zehn bis zwölf Tagen durchgehendem Rennen dort ankommen. Dann springen sie ins Meer, schwimmen, und haben eine Freude, es geschafft zu haben. Man muss wissen, dass es meist nur drei bis vier überhaupt bis ins Ziel schaffen. Das Fenster, ab dem Zeitpunkt, wo der erste angekommen ist, bleibt nur 48 Stunden offen. 2015 war eine Ausnahme. Da schafften es zwölf Athleten, weil die Wetterbedingungen so gut waren. 

Ich war jedes mal dort. Es ist so dermaßen berührend, diese Emotionen im Ziel in Monaco am Meer mit zu erleben.

Athlet von Red Bull X-Alps | © honza-zak-red-bull© honza-zak-red-bull

Gibt es im Athleten-Feld heuer klare Favoriten oder ist alles offen?

Das Maß aller Dinge ist seit einigen Jahren der Schweizer Christian Maurer. Er ist so etwas wie der Marcel Hirscher des Adventure Race! Er ist im wahrsten Sinne ein Überflieger: Weltmeister als Pilot, begnadeter Ausdauersportler, ein blitzgscheiter Stratege. Er hat sage und schreibe schon fünf Mal gewonnen!

Werden Sie auch heuer wieder in Monaco dabei sein?

Das werde ich mir um keinen Preis entgehen lassen.

Vielen Dank, wir freuen uns auf ein spannendes Rennen!

Die Teilnehmer von Red Bull X-Alps machen nette Bekanntschaften während dem Rennen | © harald-tauderer-red-bull© harald-tauderer-red-bull
Alles über Red Bull X-Alps 2019
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