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Eintauchen in Wagrain

 Ein Kulturspaziergang lässt die Ortsgeschichte aufleben

Wien hat einen, Bremen hat einen und Wagrain hat auch einen: den „Kulturspaziergang“. Nicht nur als Wanderdorf ist der Ort bekannt und beliebt. Auch in geschichtlicher Hinsicht hat er Einiges zu bieten: geschichtsträchtige Gebäude, Plätze, Gärten, Hügel, Vegetation und Mythisches.

Eine ortskundige Begleiterin vom Kulturverein „Blaues Fenster“ führt jeden Montag im Rahmen des sommerlichen Wochenprogramms durch Wagrain. Lernt euer Urlaubsdomizil von allen Seiten kennen!

Bei der Wunschlinde geht es los

Der Wagrainer Kulturspaziergang macht an vielen Besonderheiten des Ortes Halt. Treffpunkt für die geführte Tour, die montags stattfindet, ist um 10.00 bei der Wunschlinde am Marktplatz.

Eineinhalb Stunden und 22 Stationen später „schließt sich der Kreis“ beim unweit gelegenen Kriegerdenkmal.

Wer lieber eine private Schnellvariante wählt, besichtigt nur die ersten zwölf Stationen. Dafür ist etwa eine halbe Stunde Wegzeit zu veranschlagen.

Fakten zum Kulturrundweg

Kleiner Rundweg: 12 Stationen, 30 Minuten

Großer Rundweg: 22 Stationen, 90 Minuten

Geführte Tour: Montags, 10-11.30 Uhr

Treffpunkt: Wunschlinde

Zeitraum: Mitte Juni bis Mitte September 2018

Regulärer Preis: 6 €

Mit Salzburger Sportwelt Card: 3 €

Mit Wagrain-Kleinarl Gästekarte: kostenlos

Kostproben der Kulturstationen

Dass die Pongauer Höfe im 18. Jahrhundert überwiegend einen Getreidespeicher dabei hatten, erfährt man gleich zu Beginn beim „Karl Heinrich Waggerl Kasten“, der aus 1726 stammt. Der berühmte Literat hatte angedacht, aufstrebende Schriftsteller darin werken zu lassen – doch aus lauter Ehrfurcht traute sich niemand.

Der zu Weltruhm gelangte Dichter Joseph Mohr, seines Zeichens verantwortlich für den Liedtext von „Stille Nacht, heilige Nacht“, lebte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Pfarrhof Wagrains. Dieser ist die zweiten Station des Kulturspaziergangs. Der in typischer Pongauer Bauweise errichtete Hof wurde in den 1980ern wunderschön renoviert und auch heute lebt der Dorfpfarrer darin – eine lebendige Tradition! Die Freilichtausstellung, zu der wir weiter spazieren, ist dem Wirken Mohrs gewidmet. So lässt sich noch mehr Wissenswertes über die Ortsberühmtheit erfahren.

Kirchliche Tradition 

Die schön gepflegten Grabstätten von Wagrainer Persönlichkeiten sind am bereits seit 1400 bestehenden Friedhof zu besichtigen. Ein spezieller letzter Wunsch von Karl Heinrich Waggerl in Bezug auf seine letzte Ruhestätte sorgte in den 1970ern für heftige Diskussionen. Mehr dazu erfahrt ihr von eurem Orts-Guide bei der geführten Tour!

In der hübschen frühgotischen Pfarrkirche, die erst im 19. Jahrhundert mit einem neugotischen Hochaltar versehen wurde, befinden sich die Wagrainer Madonna sowie die Joseph Mohr Gedächtnisorgel. Eine Allegorie auf die Umgebung Wagrains findet sich als Fresko an der Apsis der Pfarrkirche. Ebenso lernen wir an diesem Platz die stolze Kirchenlinde kennen.

Wagrain macht Schule

Nach den beiden Männern, Waggerl und Mohr, ist auch jeweils eine Schule benannt, die wir bei unserem Kulturspaziergang passieren. Was Mohr, der eine sehr soziale Ader hatte, zu Lebzeiten in Sachen Schule für die Kinder bewirkte, weiß die Ortsführerin zu erzählen. Wer nun noch beim Karl Heinrich Waggerl Haus (heutiges Museum) vorbeischaut, steht bei Station 12 und damit bei der Hälfte des Rundweges.

Tipp:
Hearonymus-App

Wagrain hält seine Traditionen hoch, ist aber gleichzeitig modern. Wir freuen uns darauf, dass es ab Herbst 2018 die kostenlose „Hearonymus-App“ für den Kulturspaziergang geben wird. Mit einem Audio-Guide am Smartphone ausgestattet kann man sich als Besucher dann völlig unabhängig und zeitlich flexibel auf den Rundweg machen!

Ein Ort voll kultureller Schätze

Wer sich jetzt erst warm gelaufen hat, dem sei die zweite Hälfte des Kulturspazierganges wärmstens ans Herz gelegt: Neben dem wildromantischen Kräutergarten und der wohltuenden Kneippanlage erwarten Besucher noch das Pflegerschlössl, ein Joseph Mohr gewidmetes barockes Architekturjuwel, und vielerlei Schätze in der Marktkirche.

Die Marktlinde, die man nun abermals passiert, wurde 1880 – sowie damals viele Linden in ganz Österreich – zum 50. Regierungsjubiläum Kaiser Franz Josephs gepflanzt. Im Advent wird sie zur Wunschlinde, behängt mit leuchtenden Wunschkugeln.

Highlight: der Burghügel

Nachdem wir das Gemeindewappen kennengelernt haben, gelangen wir zur Burg Wagrain. Diese ist in Wahrheit ein Burghügel, weil die Gemäuer bereits 1322 zerstört wurden. Sie gehörte zu den größten Burganlagen Salzburgs auf einem Plateau von 5.000 Quadratmetern und war von einem Mauerring umfasst. Auch als Ruine musste die Burg noch einiges durchmachen in ihrem Leben: Die teilweise Nachnutzung des Geländes als Wohnhaus im 19./20. Jahrhundert, Überwucherung durch ungebändigte Pflanzen und ein immenser Steinraub hinterließen gravierende Spuren. So war das Bauwerk irgendwann kaum mehr als ursprünglich mittelalterliche Burg identifizierbar – was sehr schade ist. Daher machte sich der Kulturverein „Blaues Fenster“ 2006 für eine großangelegte Bestandssicherung statt: Bis 2010 fanden archäologische Grabungen in Kooperation mit der Universität Salzburg statt. Neben Tierknochen, Tontopf-Scherben und Eisenteilen weist der Fund von drei Münzen mit Prägestätten in Enns, Salzburg und München auf die damals schon weitläufigen Handelsbeziehungen hin.

Krönender Abschluss: Huldigung der Burg

Die drei Hutschen von Wagrain und die Virtuelle Madonna, die auf dem Burghügel stehen, sind originelle und gleichsam ehrwürdige Kulturobjekte aus der modernen Zeit, die der Geschichte Respekt zollen. Lassen Sie sich überraschen! Am Kriegerdenkmal am Fuße des Burghügels geht unsere lohnende und lehrreiche Reise für heute zu Ende.

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